Die Ausstellung „Tree and Soil“ im Kulturspeicher zeigt Arbeiten von Robert Knoth und Antoinette De Jong.

„Tree and Soil“ heißt die Ausstellung der beiden Niederländer Robert Knoth und Antoinette De Jong, die vom 27. März bis zum 24. Mai 2021 im Würzburger Kulturspeicher zu sehen sein wird, wenn es die Corona-Regelungen zulassen.  Dabei kombinieren die beiden eine Zweikanal Audio-Video-lnstallation mit Fotoarbeiten, die im japanischen Fukushima entstanden. Dort hatte 2011 ein Tsunami, ausgelöst durch ein Erdbeben, große Mengen radioaktiver Stoffe aus dem beschädigten Atomkraftwerk freigesetzt. Die Ausstellung zeigt evakuierte Dörfer, Felder und Wälder sowie den langsamen Wandel der Landschaft und der Natur. Im März 2021 jährt sich die nukleare Katastrophe zum zehnten Mal.

In den Jahren nach dem Reaktorunglück reisten die KünstlerInnen mehrfach in das Sperrgebiet. Oft fühlten sie sich dabei „wie ArchäologInnen der Zukunft, die zu verstehen versuchen, was in einer fernen Vergangenheit geschehen war“, heißt es in einer Pressemitteilung. In Interviews mit den ehemaligen Bewohnern, in Foto- und Videoaufnahmen dokumentierten sie über Jahre hinweg die menschenleeren Orte und vor allem die einst gepflegten japanischen Kulturlandschaften mit Gärten, Feldern und akkuraten Wäldern, die dann von der Natur zurückerobert werden.

 

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Videoinstallation mit Aufnahmen der scheinbar unberührten Natur in der verseuchten Region. Die Filme mit ihren langen Einstellungen – fallender Schnee, vom Wind bewegte Blätter, Sonnenlicht, das durch das Laub bricht – sind von einer stillen, poetischen Kraft. Ein Klangteppich aus Vogelgesang, Windrauschen, Grillenzirpen und knackendem Eis macht die Schönheit der Natur intensiv erfahrbar. Die radioaktive Bedrohung aber bleibt unsichtbar bestehen.

Die Kombination eigener Fotografien des Künstlerpaares mit Naturalien und künstlerischen Darstellungen aus der Sammlung des aus Würzburg gebürtigen Arztes Philipp Franz von Siebold zeigt einen weiteren Ausdruck des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur. Im frühen 19. Jahrhundert war Siebold am holländischen Handelsstützpunkt Dejima stationiert. Dort hatte er die Gelegenheit, das Land zu bereisen und große Mengen von Artefakten, Pflanzen- und Tierarten zu sammeln. Wie tief die japanische Kultur in der Natur verwurzelt und von ihr inspiriert ist, zeigt seine Sammlung sehr eindrucksvoll. Siebold steht aber auch für ein Zeitalter, in dem Forscher die Welt bereisten, um sie zu erkunden, zu ordnen und ihre Ressourcen für die Menschheit nutzbar zu machen.

Ein intensives Begleitprogramm greift verschiedene Fragestellungen der Ausstellung auf: das Verhältnis von Mensch und Natur, die Herausforderungen der Energiewirtschaft sowie das japanische Naturverständnis und seine Erforschung durch Philipp Franz von Siebold. In einem Künstlergespräch werden zudem Robert Knoth und Antoinette de Jong über ihre Intentionen und Eindrücke aus Fukushima berichten.

 

Robert Knoth und Antoinette de Jong

Antoinette de Jong (*1964) und Robert Knoth (*1963) behandeln mit den Medien Film, Fotografie und Installation komplexe soziale, ökonomische sowie politische Themen. Ihre Arbeiten werden weltweit ausgestellt, so zuletzt auf dem Fotofestival in Lianzhou, China, bei C/O Berlin und im Forum für Fotografie Köln, im Stedelijk Museum Amsterdam oder im Tokyo Metropolitan Museum of Photography. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2018 waren sie unter anderem für den Prix Europa sowie für den Prix Ars Electronica nominiert. Ihre 2020 erschienene Publikation „Tree and Soil“ war auf der Shortlist des Les Rencontres d’Arles Book Award 2020. „Tree and Soil“ wird 2021 neben dem Museum im Kulturspeicher im Fotomuseum Den Haag und im Kunst Haus Wien gezeigt.

Zu sehen ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten des Kulturspeichers: Dienstag, 13 bis 18 Uhr, Mittwoch, 11 bis 18 Uhr, Donnerstag, 11 bis 19 Uhr sowie Freitag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Änderungen können sich aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen ergeben.

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